Analysis · Lektion 16 von 18

Rotationskörper

Welches Volumen entsteht beim Drehen um die x-Achse?

Rotation um x-Achse

Der Graph rotiert um die x-Achse und erzeugt einen dreidimensionalen Körper

Volumenformel

V = π · ∫ₐᵇ [f(x)]² dx summiert die Kreisscheiben entlang der x-Achse

Wichtig: Quadrat!

Die Funktion wird quadriert: [f(x)]², nicht nur f(x) – das ist entscheidend!

Was ist ein Rotationskörper?

Ein Rotationskörper entsteht, wenn der Graph einer Funktion f(x) über dem Intervall [a, b] um die x-Achse rotiert wird. Dabei entsteht ein dreidimensionaler Körper.

Volumenformel für Rotationskörper

V = π ·ba[f(x)]² dx

V = Volumen des Rotationskörpers

f(x) = rotierende Funktion

a, b = Integrationsgrenzen

Wichtig: Quadrieren nicht vergessen!

Die Funktion wird quadriert: [f(x)]². Dies ist der häufigste Fehler! Der Radius jeder Kreisscheibe ist f(x), und die Fläche eines Kreises ist πr² = π[f(x)]².

Anschauliche Vorstellung

Stelle dir vor, du rotierst den Graphen wie eine Töpferscheibe um die x-Achse:

  • Jeder Punkt (x, f(x)) beschreibt einen Kreis mit Radius f(x)
  • Die Fläche dieser Kreisscheibe ist π[f(x)]²
  • Das Integral summiert alle Kreisscheiben von a bis b

Herleitung der Formel

Die Volumenformel basiert auf dem Prinzip der Kreisscheiben:

1

Kreisscheibe an der Stelle x

Bei der Rotation entsteht ein Kreis mit Radius r = f(x)

Fläche der Scheibe: A(x) = πr² = π[f(x)]²
2

Unendlich dünne Scheiben

Eine infinitesimal dünne Scheibe der Dicke dx hat das Volumen:

dV = A(x) · dx = π[f(x)]² dx
3

Integration über das Intervall

Das Gesamtvolumen ist die Summe aller Scheiben:

V =baπ[f(x)]² dx
4

π vor das Integral ziehen

Da π konstant ist, kann man es vor das Integral ziehen:

V = π ·ba[f(x)]² dx

Warum [f(x)]² und nicht f(x)?

Der Funktionswert f(x) ist der Radius der Kreisscheibe. Die Fläche eines Kreises beträgt aber πr², daher muss f(x) quadriert werden. Bei normalen Flächenberechnungen integrieren wir f(x) (Höhe), hier aber π[f(x)]² (Kreisfläche).

Vorgehen: Volumen berechnen

Um das Volumen eines Rotationskörpers zu berechnen, folge diesen Schritten:

1

Funktion quadrieren

Bilde [f(x)]² – quadriere die gesamte Funktion

f(x) = x   ⇒   [f(x)]² = x²

Achtung: Klammern nicht vergessen! (2x)² = 4x², nicht 2x²

2

Stammfunktion von [f(x)]² bilden

Bestimme die Stammfunktion F(x) von [f(x)]²

[f(x)]² = x²   ⇒   F(x) = 13
3

Bestimmtes Integral berechnen

Wende den Hauptsatz an: F(b) − F(a)

ba[f(x)]² dx = F(b) − F(a)
4

Mit π multiplizieren

Multipliziere das Ergebnis mit π

V = π · [F(b) − F(a)]
5

Ergebnis mit Einheit angeben

Gib das Volumen mit der richtigen Einheit an (meist VE = Volumeneinheiten)

Merkhilfe

Die Reihenfolge ist: Quadrieren → Integrieren → Mit π multiplizieren. Viele vergessen das Quadrieren oder multiplizieren vergessen mit π!

Spezialfälle und Tipps

Lineare Funktionen

Bei f(x) = mx + c entsteht meist ein Kegelstumpf

f(x) = 2x → [f(x)]² = 4x²

Ergebnis: Kegel oder Kegelstumpf

Konstante Funktionen

Bei f(x) = r (konstant) entsteht ein Zylinder

f(x) = 3 → V = π · 3² · (b−a)

Formel: V = πr²h (klassische Zylinderformel)

Wurzelfunktionen

Quadrieren vereinfacht oft die Rechnung

f(x) = √x → [f(x)]² = x

Die Wurzel verschwindet beim Quadrieren!

Kreisfunktionen

Halbkreis rotiert → Kugel mit V = (4/3)πr³

f(x) = √(r²−x²) → Kugel

Spezialfall: Bestätigt die bekannte Kugelformel

Praktischer Tipp

Skizziere den Graphen und stelle dir die Rotation vor! Das hilft beim Verständnis und bei der Plausibilitätsprüfung des Ergebnisses. Ein Rotationskörper sollte immer symmetrisch zur x-Achse sein.

Häufige Fehler bei Rotationskörpern

Typischer Fehler

FalschV = π · ∫₀³ 2x dx

RichtigV = π · ∫₀³ (2x)² dx = π · ∫₀³ 4x² dx

Die häufigste Fehlerquelle! Die Funktion muss quadriert werden: [f(x)]², nicht f(x).

Typischer Fehler

Falsch(2x)² = 2x²

Richtig(2x)² = 4x²

Beim Quadrieren müssen beide Faktoren quadriert werden: (2x)² = 2² · x² = 4x².

Typischer Fehler

FalschV = ∫ₐᵇ [f(x)]² dx (π vergessen)

RichtigV = π · ∫ₐᵇ [f(x)]² dx

Vergiss nicht, das Ergebnis mit π zu multiplizieren! Die Formel enthält immer π.

Typischer Fehler

Falsch∫ x² dx = x³

Richtig∫ x² dx = (1/3)x³

Beim Integrieren von xⁿ nicht den Faktor 1/(n+1) vergessen!

Typischer Fehler

Falsch[√x]² = √x²

Richtig[√x]² = x

Das Quadrieren hebt die Wurzel auf: (√x)² = x, nicht √(x²).

Typischer Fehler

FalschV = π · r² · h (bei allen Funktionen)

RichtigV = π · ∫ₐᵇ [f(x)]² dx (allgemeine Formel)

Die Zylinderformel V = πr²h gilt nur bei konstanten Funktionen f(x) = r. Sonst muss integriert werden!

Übungsaufgaben

Aufgabe · Mittel

Berechne das Volumen des Rotationskörpers von f(x) = 3über [0, 5] (Zylinder).

Hinweis Bei konstanten Funktionen entsteht ein Zylinder. [f(x)]² = 9.

Lösung anzeigen

Schritt 1: Quadrieren

[f(x)]² = 3² = 9

Schritt 2: Integrieren

∫₀⁵ 9 dx = [9x]₀⁵ = 45

Schritt 3: Mit π multiplizieren

V = π · 45 = 45π ≈ 141.37 VE

Kontrolle: V = πr²h = π · 3² · 5 = 45π ✓

Aufgabe · Mittel

Bestimme das Volumen des Rotationskörpers von f(x) = xüber [0, 4] (Kegel).

Hinweis [f(x)]² = x². Die Stammfunktion von x² ist (1/3)x³.

Lösung anzeigen

Quadrieren und Integrieren

[f(x)]² = x²

∫₀⁴ x² dx = [(1/3)x³]₀⁴ = (1/3)·64 = 64/3

Volumen

V = π · 64/3 = 64π/3 ≈ 67.02 VE

Ergebnis: V = 64π/3 ≈ 67.02 VE

Kontrolle: Kegelformel V = (1/3)πr²h = (1/3)π·4²·4 = 64π/3 ✓

Aufgabe · Mittel

Die Funktion f(x) = eˣ rotiert über [0, 1] um die x-Achse. Berechne das Volumen.

Hinweis [eˣ]² = e²ˣ. Die Stammfunktion von e²ˣ ist (1/2)e²ˣ.

Lösung anzeigen

Schritt 1: Quadrieren

[f(x)]² = (eˣ)² = e²ˣ

Schritt 2: Integrieren

∫₀¹ e²ˣ dx = [(1/2)e²ˣ]₀¹

= (1/2)e² − (1/2)e⁰ = (1/2)e² − 1/2

= (1/2)(e² − 1) ≈ (1/2)(7.389 − 1) ≈ 3.195

Schritt 3: Mit π multiplizieren

V = π · (1/2)(e² − 1) = π(e² − 1)/2 ≈ 10.04 VE

Ergebnis: V = π(e² − 1)/2 ≈ 10.04 VE

Aufgabe · Mittel

Eine Halbkugel wird durch Rotation von f(x) = √(r²−x²)über [−r, r] erzeugt. Zeige, dass das Volumen einer Kugel V = (4/3)πr³ ist.

Hinweis [√(r²−x²)]² = r²−x². Nutze Symmetrie: berechne für [0, r] und verdopple.

Lösung anzeigen

Ansatz mit Symmetrie

Wegen Symmetrie: V = 2 · V[0,r]

Quadrieren

[f(x)]² = [√(r²−x²)]² = r² − x²

Integral für [0, r]

∫₀ʳ (r²−x²) dx = [r²x − (1/3)x³]₀ʳ

= r³ − (1/3)r³ = (2/3)r³

Volumen der ganzen Kugel

V = π · 2 · (2/3)r³ = (4/3)πr³

✓ Bewiesen: V = (4/3)πr³

Die Rotationskörperformel bestätigt die bekannte Kugelformel!

Zusammenfassung & Abitur-Tipps

Das Wichtigste

  • Formel: V = π · ∫ₐᵇ [f(x)]² dx
  • Funktion wird quadriert: [f(x)]²
  • Ergebnis mit π multiplizieren

Vorgehen

  • 1.Funktion quadrieren: [f(x)]²
  • 2.Stammfunktion bilden
  • 3.Integral berechnen: F(b) − F(a)
  • 4.Mit π multiplizieren

Häufige Fehler

  • Quadrieren vergessen
  • Falsch: (2x)² = 2x²
  • π vergessen

Abitur-Tipps

  • 1.Formel auswendig kennen: V = π · ∫ₐᵇ [f(x)]² dx. Das [f(x)]² ist der kritische Teil – ohne Quadrieren ist das Ergebnis falsch!
  • 2.Klammern beachten: Bei (ax + b)² beide Terme quadrieren! Nutze ggf. binomische Formeln: (2x)² = 4x², (x+1)² = x² + 2x + 1.
  • 3.Spezialfälle erkennen: Konstante Funktion → Zylinder, Lineare Funktion → Kegel, √(r²−x²) → Kugel. Die bekannten Formeln gelten!
  • 4.Einheiten prüfen: Volumen hat immer die Einheit [Länge]³. Bei Anwendungsaufgaben: cm³, m³, etc. Im Abitur oft VE (Volumeneinheiten).
  • 5.Visualisierung hilft: Skizziere den Graphen und stelle dir die Rotation vor. Der Rotationskörper ist symmetrisch zur x-Achse.
  • 6.Plausibilität: Das Volumen muss positiv sein. Wenn negativ, hast du einen Vorzeichenfehler. Vergleiche mit bekannten Körpern (Zylinder, Kegel).

Ein Beispiel

Rotiere die Fläche unter f(x) = x auf [0; 2] um die x-Achse.

  1. Der Radius an der Stelle x ist x. Die Querschnittsfläche ist daher πx².
  2. Integriere: V = π[x³/3] von 0 bis 2 = 8π/3.
  3. Zur Kontrolle entsteht ein Kegel mit Radius 2 und Höhe 2. Seine Volumenformel liefert ebenfalls 8π/3.

Darauf kommt es an

Quadriere die Funktion vor dem Integrieren. Das Quadrat eines Integrals beschreibt hier nicht das Volumen. Bei Hohlkörpern brauchst du äußere minus innere Querschnittsfläche.

Aufgabe

Rotiere die Fläche unter f(x) = 3 auf [0; 4] um die x-Achse.

Lösung und Rechenweg anzeigen

Es entsteht ein Zylinder: V = π∫₀⁴ 9 dx = 36π Volumeneinheiten.