Analysis · Lektion 04 von 18

Zusammengesetzte Funktionen und Umkehrfunktionen

Was bedeutet eine Funktion in einer Funktion?

Warum zusammengesetzte Funktionen?

Stell dir vor: Du hast zwei Funktionen f(x) = x² und g(x) = 2x + 1. Was passiert, wenn du sie kombinierst?

Zusammengesetzte Funktionen erlauben es dir, aus einfachen Funktionen komplexere zu bauen – durch Addition, Multiplikation oder Verkettung.

Im Mathe-Abi brauchst du das für:

  • Funktionen addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren
  • Verkettung von Funktionen (f ∘ g)(x) verstehen
  • Umkehrfunktionen bestimmen und deren Eigenschaften nutzen
  • Definitions- und Wertebereiche zusammengesetzter Funktionen

Was sind zusammengesetzte Funktionen?

Grundoperationen: Seien f und g zwei Funktionen. Dann können wir bilden:

Summe:

(f + g)(x) = f(x) + g(x)

Differenz:

(f − g)(x) = f(x) − g(x)

Produkt:

(f · g)(x) = f(x) · g(x)

Quotient:

(f / g)(x) = f(x) / g(x), wobei g(x) ≠ 0

Verkettung (Komposition):

(f ∘ g)(x) = f(g(x))

Lies: "f nach g" oder "f verkettet mit g"

Bedeutung: Erst g anwenden, dann f auf das Ergebnis.

Umkehrfunktion:

Die Umkehrfunktion f⁻¹ macht die Wirkung von f rückgängig:

f⁻¹(f(x)) = x und f(f⁻¹(y)) = y

Bedingung: f muss umkehrbar sein (bijektiv: injektiv und surjektiv)

Schritt-für-Schritt: Umkehrfunktion bestimmen

Funktion umstellen

Schreibe y = f(x) und löse die Gleichung nach x auf.

Variablen tauschen

Tausche x und y: Was vorher y war, ist jetzt x und umgekehrt.

Umkehrfunktion notieren

Das Ergebnis ist f⁻¹(x).

Definitions- und Wertebereich prüfen

Df⁻¹ = Wf und Wf⁻¹ = Df

Beispiele

Beispiel 1: Grundoperationen mit Funktionen

Gegeben:

f(x) = x² und g(x) = 2x + 3

a) Summe (f + g)(x):

(f + g)(x) = f(x) + g(x)

= x² + (2x + 3)

= x² + 2x + 3

b) Produkt (f · g)(x):

(f · g)(x) = f(x) · g(x)

= x² · (2x + 3)

= 2x³ + 3x²

c) Quotient (f / g)(x):

(f / g)(x) = f(x) / g(x)

= x² / (2x + 3)

Definitionsbereich: D = ℝ \ {-3/2}

(Nenner darf nicht 0 sein: 2x + 3 ≠ 0)

Beispiel 2: Verkettung von Funktionen

Gegeben:

f(x) = x² und g(x) = 2x + 1

a) (f ∘ g)(x) = f(g(x)):

Erst g anwenden: g(x) = 2x + 1

Dann f auf das Ergebnis:

f(g(x)) = f(2x + 1)

= (2x + 1)²

= 4x² + 4x + 1

b) (g ∘ f)(x) = g(f(x)):

Erst f anwenden: f(x) = x²

Dann g auf das Ergebnis:

g(f(x)) = g(x²)

= 2 · x² + 1

= 2x² + 1

Achtung:

(f ∘ g)(x) ≠ (g ∘ f)(x) im Allgemeinen!
Die Reihenfolge bei der Verkettung ist wichtig.

Beispiel 3: Umkehrfunktion bestimmen

Gegeben:

f(x) = 2x + 3

Bestimme die Umkehrfunktion f⁻¹(x).

Schritt 1: Umstellen

y = 2x + 3

y − 3 = 2x

x = (y − 3) / 2

Schritt 2: Variablen tauschen

y = (x − 3) / 2

Schritt 3: Umkehrfunktion

f⁻¹(x) = (x − 3) / 2

Probe:

f(f⁻¹(x)) = f((x − 3) / 2)

= 2 · ((x − 3) / 2) + 3

= (x − 3) + 3

= x ✓

Beispiel 4: Umkehrfunktion einer Wurzelfunktion

Gegeben:

f(x) = √x + 2, x ≥ 0

Schritt 1: Umstellen

y = √x + 2

y − 2 = √x

(y − 2)² = x

Schritt 2 & 3: Tauschen und notieren

f⁻¹(x) = (x − 2)²

mit Df⁻¹ = [2, ∞)

Wichtig:

Wf = [2, ∞) wird zu Df⁻¹ = [2, ∞)
Df = [0, ∞) wird zu Wf⁻¹ = [0, ∞)

Häufige Fehler

Typischer Fehler

Falsch(f ∘ g)(x) = f(x) · g(x)

Richtig(f ∘ g)(x) = f(g(x))

Das Verkettungssymbol ∘ bedeutet NICHT Multiplikation! Bei der Verkettung wird g(x) in f eingesetzt.

Typischer Fehler

FalschDie Umkehrfunktion von f(x) = x² ist f⁻¹(x) = √x

Richtigf⁻¹ existiert nur für eingeschränkten Definitionsbereich, z.B. f: [0,∞) → [0,∞), dann f⁻¹(x) = √x

Eine Funktion muss bijektiv (umkehrbar eindeutig) sein, um eine Umkehrfunktion zu haben. x² ist nicht injektiv auf ℝ.

Typischer Fehler

Falschf⁻¹(x) = 1/f(x)

Richtigf⁻¹ ist die Umkehrfunktion, NICHT der Kehrwert!

Das hochgestellte −1 bedeutet bei Funktionen die Umkehrung, nicht den Kehrwert. Der Kehrwert wäre [f(x)]⁻¹.

Übungsaufgaben

Leicht · Mittel

Aufgabe 1: Grundoperationen

Gegeben sind f(x) = x² − 1 und g(x) = 3x + 2.

Bestimme:

  • a) (f + g)(x)
  • b) (f − g)(x)
  • c) (f · g)(x)

Hinweis Setze einfach die Funktionen in die Definitionen ein: (f + g)(x) = f(x) + g(x), usw.

Lösung anzeigen

a) (f + g)(x):

(f + g)(x) = (x² − 1) + (3x + 2)

= x² + 3x + 1

b) (f − g)(x):

(f − g)(x) = (x² − 1) − (3x + 2)

= x² − 1 − 3x − 2

= x² − 3x − 3

c) (f · g)(x):

(f · g)(x) = (x² − 1) · (3x + 2)

= 3x³ + 2x² − 3x − 2

= 3x³ + 2x² − 3x − 2

Mittel · Mittel

Aufgabe 2: Verkettung

Gegeben sind f(x) = 2x − 3 und g(x) = x² + 1.

Bestimme:

  • a) (f ∘ g)(x)
  • b) (g ∘ f)(x)
  • c) Berechne (f ∘ g)(2)

Hinweis Bei (f ∘ g)(x) wird erst g angewendet, dann f auf das Ergebnis. Denk an: f(g(x)).

Lösung anzeigen

a) (f ∘ g)(x) = f(g(x)):

g(x) = x² + 1

f(g(x)) = f(x² + 1)

= 2(x² + 1) − 3

= 2x² + 2 − 3

= 2x² − 1

b) (g ∘ f)(x) = g(f(x)):

f(x) = 2x − 3

g(f(x)) = g(2x − 3)

= (2x − 3)² + 1

= 4x² − 12x + 9 + 1

= 4x² − 12x + 10

c) (f ∘ g)(2):

Wir nutzen (f ∘ g)(x) = 2x² − 1:

(f ∘ g)(2) = 2 · 2² − 1

= 2 · 4 − 1

= 7

Mittel · Mittel

Aufgabe 3: Umkehrfunktion bestimmen

Gegeben ist f(x) = 3x − 5.

a) Bestimme die Umkehrfunktion f⁻¹(x).

b) Prüfe durch Einsetzen, dass f(f⁻¹(x)) = x gilt.

Hinweis Setze y = f(x), löse nach x auf, tausche dann x und y.

Lösung anzeigen

a) Umkehrfunktion bestimmen:

y = 3x − 5

y + 5 = 3x

x = (y + 5) / 3

Variablen tauschen:

f⁻¹(x) = (x + 5) / 3

b) Probe:

f(f⁻¹(x)) = f((x + 5) / 3)

= 3 · ((x + 5) / 3) − 5

= (x + 5) − 5

= x ✓

Schwer · Mittel

Aufgabe 4: Umkehrfunktion bei quadratischer Funktion

Gegeben ist f(x) = x² + 4x + 1 mit Definitionsbereich Df = [−2, ∞).

a) Bestimme die Umkehrfunktion f⁻¹(x).

b) Gib den Definitions- und Wertebereich von f⁻¹ an.

Hinweis Schreibe die Funktion zuerst in Scheitelpunktform. Beachte den eingeschränkten Definitionsbereich!

Lösung anzeigen

Vorbereitung: Scheitelpunktform

f(x) = x² + 4x + 1

= (x + 2)² − 4 + 1

= (x + 2)² − 3

Scheitelpunkt: S(−2, −3)

a) Umkehrfunktion bestimmen:

y = (x + 2)² − 3

y + 3 = (x + 2)²

√(y + 3) = x + 2

(nur positive Wurzel, da x ≥ −2)

x = √(y + 3) − 2

Variablen tauschen:

f⁻¹(x) = √(x + 3) − 2

b) Definitions- und Wertebereich:

Für f:

Df = [−2, ∞)

Wf = [−3, ∞)

(Minimum bei x = −2: f(−2) = −3)

Für f⁻¹:

Df⁻¹ = Wf = [−3, ∞)

Wf⁻¹ = Df = [−2, ∞)

Wichtige Tipps

Definitionsbereiche beachten!

Bei zusammengesetzten Funktionen ist D = Df ∩ Dg, beim Quotienten zusätzlich g(x) ≠ 0, bei der Verkettung (f ∘ g): Wg ⊆ Df.

Verkettung ist nicht kommutativ!

Im Allgemeinen gilt: (f ∘ g)(x) ≠ (g ∘ f)(x). Die Reihenfolge ist wichtig!

Umkehrfunktion: Graph spiegeln!

Der Graph von f⁻¹ entsteht durch Spiegelung des Graphen von f an der Winkelhalbierenden y = x.

✓ Probe durchführen!

Bei Umkehrfunktionen immer prüfen: f(f⁻¹(x)) = x und f⁻¹(f(x)) = x.

Zusammenhänge zu anderen Themen

Ableitungsregeln

Die Kettenregel ist die Ableitung einer verketteten Funktion: (f ∘ g)'(x) = f'(g(x)) · g'(x)

Logarithmus

Der Logarithmus ist die Umkehrfunktion der Exponentialfunktion: ln(ex) = x und eln(x) = x

Kurvendiskussion

Symmetrie nutzen: Ist f gerade (f(−x) = f(x)), dann ist der Graph achsensymmetrisch zur y-Achse.

Nullstellen

Nullstellen von f sind die x-Werte von Schnittpunkten des Graphen von f⁻¹ mit der y-Achse.

Ein Beispiel

Verkette g(x) = 2x + 1 mit f(x) = x².

  1. Die innere Funktion liefert 2x + 1. Setze diesen gesamten Ausdruck für das Argument von f ein.
  2. Du erhältst f(g(x)) = (2x + 1)². Bei x = 2 wird daraus 5² = 25.
  3. Vertauschte Reihenfolge: g(f(x)) = 2x² + 1. Bei x = 2 ist das 9; die Reihenfolge ist entscheidend.

Darauf kommt es an

f⁻¹ bezeichnet die Umkehrfunktion und nicht den Kehrwert 1f\frac{1}{f}. Bei x² musst du etwa auf x ≥ 0 einschränken, um √x als Umkehrfunktion zu erhalten.

Aufgabe

Bestimme die Umkehrfunktion von f(x) = 3x − 6.

Lösung und Rechenweg anzeigen

Setze y = 3x − 6 und löse nach x: x = (y+6)3.\frac{(y + 6)}{3.} Nach Umbenennung lautet f⁻¹(x) = (x+6)3.\frac{(x + 6)}{3.}